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Irina Kornilenko

Vor gar nicht so vielen Jahren wurde ich in Rostow am Don geboren, der großen Stadt, die den Namen „Tor zum Kaukasus“ trägt. Wie allem im Leben, so ist auch einem Tor eine innere und eine äußere Dimension zu eigen. Viele äußere Tore habe ich in meinem Leben schon durchschritten, dieses Tor nicht. Wenn die Zeit reif sein wird, dann wird aus meinen inneren Bildern vom jetzt so fernen Kaukasus eine unvergessliche persönliche Reiseerfahrung werden.

Meine Mutter ist Russin, mein Vater Georgier. Später bekam ich einen weiteren Vater, dessen Familie aus der Ukraine stammt. Ich trage mit Freude und in großer Dankbarkeit seinen Namen.

Die genaue Erinnerung an den Beginn meiner pianistischen Karriere ist in der familiären Euphorie verloren gegangen. Was man noch weiß ist, dass, als ich ungefähr 5 Jahre alt war, meine Großmutter, die bei uns lebte, ein Klavier kaufte. Von diesem Moment an begannen alle meine Tage mit dem Sprung an die Tasten, der Beginn einer großen Liebe. Ich wurde in die Musikschule für Kinder „Ippolitow Ivanow“ aufgenommen und … brach mir als erstes - nicht beim Klavierspielen - die rechte Hand. Das war zwar ein Dilemma, aber der Unterricht für die linke Hand ging weiter, sogar während der heißen Sommerpause, in der normalerweise in Südrussland das ansonsten geschäftige Leben weitgehend eingestellt wird.
Nach 7 Jahren wechselte ich in das Lyzeum des Rachmaninow-Konservatoriums, an dem ich 2006 meine Abschlussexamina in „Hohe Klavierkunst“, „Begleitung“, „Kammermusik“ und „Pädagogik“ mit der Aushändigung des berühmten „Roten Buches“, dem Symbol für die höchste Auszeichnung, absolvierte.

Während der letzten Jahre am Konservatorium prägten 2 Professoren mein Studium: Vladimir Denejkin, er unterrichte mich in Kammermusik, und Sergei Ossipenko, der mein eigentlicher Lehrer war. Letzterer hatte beim berühmten Lev Oborin studiert, auf den ich wenige Jahre später, über meinen Professor der Meisterklasse an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main, Lev Natochenny, der ebenfalls ein Schüler von Lev Oborin war, wieder stoßen sollte. Über Lev Oborin, mit dem ich über diese beiden Lehrer doppelt verbunden bin, gibt es eine direkte Verbindung zu Franz Liszt: Oborins Lehrer, Konstantin Igumnow, war ein Schüler von Alexander Siloti, der wiederum ein Schüler von Liszt war. So ist es, denke ich, kein Wunder, dass ich eine besondere Faszination für Liszts Schaffen empfinde und eine Programmreihe entworfen habe, in denen ich die vielen Facetten von Liszts Werk präsentiere. Sie trägt den Namen „Zauber der Begegnung“.

Ich bin meinen ersten Lehrern dankbar dafür, dass sie mich schon früh mit sehr vielen Komponisten vertraut gemacht haben, aber an der Musikschule liebte ich vor allem Beethoven, begeisterte mich aber auch bald für Rachmaninow und Tschaikowski. Als ich 10 Jahre alt war trat ich zum ersten Mal in großem Rahmen öffentlich auf, im „Philharmonium“ meiner Heimatstadt Rostow am Don. Wenn ich mich heute zurück erinnere, dann sehe ich mich sehr klein am riesigen Konzertflügel und ich spüre noch heute die Verantwortung, die ich damals zu tragen glaubte. Ich spielte die 1. Kinder-Polonaise von Chopin … was für ein Erlebnis. Ich werde es nie vergessen. Von da an spielte ich jedes Jahr ein Mal auf dieser Bühne. Nach einem gewonnenen Wettbewerb fand dort auch mein erster Auftritt mit einem Orchester statt: Klavierkonzert Nr. 1 von Ludwig van Beethoven. Es folgte eine Vielzahl von weiteren Wettbewerben und Teilnahmen an Festivals. Mein ganzes Leben war nun am Klavierspiel orientiert. Da gab es auch die traurigen Momente, bspw. wenn meine Freunde vor unserem Haus spielten und ich eisern üben musste.

Aber ich hatte ja auch meine neuen Freunde - in der Musik: Mozart, Chopin, Tschaikowski, Rachmaninow, Prokofjew … Manche dieser Freundschaften waren von Anfang an von Leichtigkeit und großer Freude geprägt. Mit anderen bin ich bis heute in manchmal „mühsamen“ Auseinandersetzungen.

Jetzt, nachdem ich fast ein Jahrzehnt in Deutschland lebe, irritiert mich immer wieder, dass auch Kenner die Art und Weise meines Musizierens sich damit erklären, dass ich als Russin in der Tradition der „Russischen Schule“ stehe. Für mich ein großes Missverständnis. Der Erfolg vieler Russischer Pianisten dieser Zeit lässt sich nicht damit begründen. Ich bin überzeugt, dass der Erfolg erst dann eintritt, wenn man diese, in gewisser Weise enge und auch einseitige Methodik überwunden hat. Dies gelingt bestimmt leichter, wenn man eine Zeitlang im Ausland gelebt und studiert hat.

2003 nahm ich zum ersten Mal an einem internationalen Wettbewerb teil, in Andorra. Der Preis, den ich dort gewann, war die Teilnahme an einer Klavierakademie in Deutschland, 9 Monate später. Es war eine wirklich gute Erfahrung und so beschloss ich, nach Frankfurt am Main zu ziehen. Ich begann dort ein weiteres Studium an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, das ich mittlerweile abgeschlossen habe. Nun lebe ich in Bayern - und empfinde das als ein sehr großes Glück.

Seit meinem Umzug bin ich, überwiegend als Solistin, vor allem in Deutschland, in Italien und in den USA aufgetreten. 2008 habe ich meine erste DVD „Poetry in Music - Schubert, Liszt“ im herrlichen Zedernsaal des Fugger-Schlosses Kirchheim in Schwaben eingespielt, 2011 die zweite DVD - mit CD - „Zauber der Begegnung 2 - Beethoven, Liszt“. Sie wurde im großartig wieder auferstandenen Bibliotheksaal des ehemaligen Zisterzienserklosters in Polling, Oberbayern, produziert. Für meinen jährlichen Auftritt im Gasteig in München bereitete ich 2012 das Programm „Zauber der Begegnung 3 - Mozart, Liszt“ vor, ein weiteres kleines Juwel meiner Reihe, das den Zuhörern Freude bereitet hat.

Die Menschen sind aber noch auf eine andere Weise in das Zentrum meines beruflichen Tuns getreten: Ich habe in den vergangenen Jahren mit großem Enthusiasmus mein Wissen erweitert, wie ich Menschen, über die Musik hinaus, beraten und begleiten kann. Ich habe mich umfassend qualifiziert im Bereich der komplementären Medizin und des Coachings. So kann ich Menschen helfen, die vielfältigen Herausforderungen des privaten und beruflichen Lebens besser zu bestehen oder sogar eine völlig neue Perspektive für ihr Leben zu entwickeln. Eine höchst befriedigende Arbeit.

2009, als ich noch mit dem Abschluss dieser zusätzlichen Ausbildungen beschäftigt war, begann ich, jeden Morgen, vor dem eigentlichen Üben am Klavier, mit den Händen schon auf den Tasten, in mich hineinzuhören … Erst konnte ich da nicht viel wahrnehmen … und, nach meiner Einschätzung, bestimmt nichts, was es wert gewesen wäre, in Klang umgesetzt zu werden. Aber ich hatte viel Geduld und viel Unterstützung bei diesem Vorhaben. Eines Tages hatte ich dann doch etwas „vernommen“ und es gespielt, hatte es aufgezeichnet und … ließ es später andere hören. Was für ein schwerer Schritt. Alle „Eingeweihten“ waren jedoch sofort sehr begeistert und berichteten mir von dem, was sie während der Musik gefühlt hatten. Im nächsten Schritt spielte ich Stücke im Beisein von ein oder zwei Zuhörern ein …

Und so kam es, dass ich im Herbst 2009, während einer Reise durch die USA, ein erstes Konzert mit dieser „gefühlten“ Musik, Musik, die im Moment aus der Verbindung mit Menschen und deren Themen entsteht, gab. Tage später waren daraus vier weitere große Auftritte geworden. Etwas für mich völlig Neues hatte sich entwickelt. Ich kehrte nach Deutschland zurück und begann kurz darauf, auch hier Konzerte mit „intuitiver“ Musik, wie ich sie nun nenne, zu geben.

Diese Musik hat auch mein Methodenrepertoire im Coaching ergänzt: ich setze in meiner Beratungstätigkeit umfassend auf die therapeutischen Wirkungen dieser Klänge. So ist ein Dreiklang, Auftritte mit klassischem Programm, KlangCoaching und Konzerte mit intuitiver Musik entstanden. Und in etwas mehr als drei Jahren habe ich sieben CDs mit diesen neuen Klängen eingespielt, die sich jeweils um bestimmte Lebensthemen ranken, habe Bücher und Websites vertont und Vieles andere mehr.

Die Überraschung des Jahres 2012 sind die Klang∞Essenzen, die sich bei mir eingefunden haben …

Wieder habe ich in unglaublich kurzer Zeit viele weitere Tore durchschreiten dürfen. Nach diesen Abenteuern bin ich offen für alles, was da kommen mag. Ich wünsche mir so sehr, dass die Zeit bald kommen wird, um auch den Kaukasus für mich zu erobern.

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